Von einem bedeutenden Tag war da die Rede, von der „Visitenkarte der Stadt“ und einem „vorzeigbaren Eingangstor“. Die Wartezeit habe sich gelohnt. Das Ergebnis überzeuge: Mit einer Feier wurde Samstag der Hauptbahnhof nach sieben Jahren Umbauzeit offiziell eröffnet und vollständig in Betrieb genommen. Der Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Thüringens Minister für Bau, Gerold Wucherpfennig, Oberbürgermeister Andreas Bausewein sowie Gerold Brehm, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, erreichten mit weiteren Gästen aus Politik und Wirtschaft in einem Sonderzug aus Meiningen Erfurt.
„Der Zug muss weg!“, ruft einer vom gegenüberliegenden Bahnsteig, auf dem sich schaulustiges Publikum versammelt hat. Der Zug versperrt die ohnehin schlechte Sicht auf die angereiste Prominenz. Auf dem abgesperrten Bahnsteig 9 bahnen sich indes die Redner einen Weg durch die Menge von Gästen und Presse zur Bühne.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sprach von einem wichtigen Ereignis und empfand es als großes Vergnügen, durch den neuen Bahnhof zu gehen. Er erinnerte sich, wie er Anfang der 70er Jahre seinen Bruder in Erfurt besuchte. Damals sei der Bahnhof ein hässliches Entlein gewesen, aus dem nun ein wunderbarer Bahnhof geworden sei. Tiefensee sagte, dass die 430 Millionen Euro Investitionsmittel für den Umbau des Bahnhofs und den Ausbau der Strecke Erfurt-Würzburg letztlich vom Steuerzahler kämen. Ein lautstarkes „jawoll!“ schallt daraufhin aus dem Publikum.
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus sprach von einem eleganten Bahnhof, der sich architektonisch entsprechend platziere und von einer Begegnungsstätte und einem Bahnhof, der von den Menschen angenommen worden ist. Er dankte allen, die unter teils schwierigen Bedingungen am Bau gearbeitet haben. „Wir haben ein Pfund in den Händen, das wir nutzen werden“, sagte Althaus.
Oberbürgermeister Andreas Bausewein sagte, dass es wert sei, in Erfurt auszusteigen. Vorbei seien die Zeiten des Umsteigens auf Umwegen und steilen Treppen. Die zentrale Lage sei ein Pfund zum Wuchern: „Der Um- und Neubau des Erfurter Hauptbahnhofs gab wichtige städtebauliche Impulse für die gesamte Entwicklung des Bahnhofsumfeldes: Entstanden ist mit der Sanierung des ehemaligen Erfurter Hofes, der Neugestaltung des Willy-Brandt-Platzes und mit Sanierung der Bahnhofstraße ein einladendes, pulsierendes Zentrum des Stadtlebens“, lobte Bausewein die Ergebnisse.
Allein 260 Millionen Euro kostete der Umbau des Hauptbahnhofs zu einem modernen ICE-Knotenpunkt. Diese Tatsache mag Konzernbevollmächtigten Brehm dazu veranlasst haben, Weihbischof Joachim Wanke und Christof Kähler von der Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland versehentlich zum „Einstieg in die ökonomische Segnung“ herbeizurufen. Die beiden Kirchenmänner nahmen es mit Humor, verbesserte sich Brehm sogleich, und der Hauptbahnhof erhielt in einer ökumenischen Zeremonie auch Gottes Segen.
Mit einem symbolischen Abfahrtssignal schickten die prominenten Gäste zuvor den Eröffnungssonderzug nach Erfurt. Mit dem Fahrplanwechsel wird am 14. Dezember die Strecke Erfurt-Würzburg in Betrieb genommen. Die Fahrtzeit verkürzt sich um 20 Minuten. Die Bahn erhöht mit dem Fahrplanwechsel ihre Preise für Einzelfahrten und Zeitkarten in der 2. Klasse um durchschnittlich 3,9 Prozent. Gründe dafür seien die erheblich gestiegenen Energie- und Personalkosten. Die Kosten für die BahnCard steigen durchschnittlich um 3,6 Prozent. So kostet die BahnCard 25 statt 55 Euro 57 Euro.
Der Bahnhof in Zahlen
Gesamtkosten: 260 Millionen Euro
Bahnsteige: 10
Bahnhofsgleise: 14
Fahrstühle: 3
Rolltreppen: 6
Bahnsteigtreppen: 7
Schienen: 22400 Meter, 18200 Schwellen
Weichen: 60
Oberleitung: 14500 Meter, 160 Maste
Baustelle: 2,5 Kilometer Länge, 55000 Tonnen Schotter, 180000 Kubikmeter Erdaushub
Ingenieur-Bauwerke: 45000 Kubikmeter Beton, 10000 Tonnen Stahl, 3200 Meter LSW
Stahlbau: 2800 Tonnen Stahl
Glasfläche insgesamt: 2400 Quadratmeter, 1500 Quadratmeter Nordseite
Dach: zweischiffige Konstruktion, 1500 Quadratmeter Glas- Stahlkonstruktion, 9 Bogenträger mit je 65 Metern Länge
Gebäudeausrüstung: 88000 Meter Kabel jeglicher Art
Fläche Bahnsteighalle: 155 Meter mal 85 Meter
Geschäftsflächen: 3700 Quadratmeter für Einzelhandel, Gastronomie usw.
Eingetragen unter:Erfurt, Fotostrecken , althaus, hauptbahhof, tiefensee
