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Text- und Fotoarchiv für Erfurt von Susanne Kay

Bilder, die Grotesken entlarven

Das Schaufenster des Delikatessengeschäfts am Dresdner Rathausplatz ist üppig gefüllt. Die Trink-Fix-Dosen sind kühn gestapelt. Das lösliche Schokoladengetränk scheint das einzige erhältliche Produkt des Geschäfts zu sein. Die Dichte des Dosen-Arrangements ist so undurchdringlich wie eine Mauer. Noch bis zum 14. November ist die Ausstellung Gewendet – 20 Jahre Mauerfall mit Fotografien des Berliner Fotografen Harald Hauswald in der Einkaufsgalerie Anger 1 zu sehen. Der 1954 in Radebeul geborene Fotograf zog 1977 nach Ost-Berlin. Mit wachem Blick für den Moment hielt er mit seiner Kamera den normalen DDR-Alltag fest, aber genauso Absurdes. So zeigt ein Bild ein Kirmes-Fahrgeschäft, an dem Südseetraum steht aber das Karussell dreht sich nur im Kreis.

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Menschen in der U-Bahn von Harald Hauswald

Hauswalds Bilder entlarven Grotesken. Giovanni di Lorenzo beschreibt die Arbeiten des Fotografen in einem Porträt in Die Zeit als „eine Art archäologische Bestandsaufnahme von einer Welt, die sich innerhalb weniger Jahre aufgelöst hat“. Der Fotograf als Konservator, „dem es gelingt, den Zufall zu fotografieren, der zwangsläufig erscheint“, wie der aus Jena stammende Autor Lutz Rathenow über seinen Freund Hauswald sagt. Gemeinsam brachten sie das Buch Ost-Berlin, das 1987 erschien, und den Bildband Gewendet heraus. Ein Teil der ausgestellten Fotografien sind in den Büchern enthalten. Read the rest of this entry »

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Der Bonaparte kam ohne Böllerschuss

Genau 201 Jahre nach dem Erfurter Fürstenkongress von 1808 weilte ein direkter Nachfahre des jüngsten Bruders Napoleon I. in Erfurt. Damals kündete ein Böllerschuss vor dem Brühler Tor von der Ankunft des französischen Kaisers. Ruhig, dezent und ohne Böllersalut trat dagegen Prinz Charles Napoléon auf. Der Urgroßenkel von Jérôme Bonaparte, König von Westfalen, ist der Präsident des Europäischen Verbundes der Napoleonstädte. Die Mitgliederversammlung fand in Erfurt statt. Am 3. Oktober empfing Oberbürgermeister Andreas Bausewein die Delegation im Rathausfestsaal.

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Prinz Charles Napoléon (Mitte) wurde im Rathaus empfangen

Um einen halben Kopf überragt der fast zwei Meter große Charles Napoléon den Oberbürgermeister, der beschenkt mit einem Napoleon-Bild das Angebot für eine einjährige kostenlose Teilnahme am Städteverbund erhielt: Read the rest of this entry »

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Apfelernte auf Siloah

Auf dem Siloah-Hof haben sich Familien zusammengefunden, die in der Tradition klösterlicher Gemeinschaft leben: „Wir wissen uns von Gott berufen, unser Leben miteinander zu teilen. In der Liebe Gottes wollen wir einander dienen“, steht in den Sandstein gemeißelt, der neben dem Eingang der kleinen Krypta hängt. Die Familienkommunität Siloah befindet sich auf dem weitläufigen Gelände eines alten Rittergutes in Neufrankenroda westlich von Gotha. In dem etwa 70 Einwohner zählenden Dorf bildet die Kommunität eine autarke Gemeinschaft, die vom christlichen Glauben geprägt einen naturnahen Lebensstil führt.

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Der Hof liegt etwas versteckt fast im Niemandsland. Ein Holzschild am Abzweig der Straße gibt den ersten Hinweis. Eine schmale von Bäumen gesäumte Landstraße führt nach Siloah. Bald ist auf der Wiese das überdimensionale Holzkreuz zu sehen, und die von stattlichen Kastanien gesäumte Zufahrt ist nicht mehr weit: Der Siloah-Hof präsentiert sich ruhig an dem Spätsommertag. Die Zeichen des Herbstes werden am trockenen Laub und den glänzenden Kastanien auf dem Boden deutlich. Mirabellen liegen verstreut herum. Die Pflaumenfrucht sei dieses Jahr gar nicht gefragt, sagt Diana, die auf dem Hof lebt. Die Bäume würden sich unter der Last der Früchte biegen. Immer gefragt jedoch sind die Äpfel von Siloah. Es ist Erntezeit auf der Obstplantage des Hofes. Read the rest of this entry »

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